
Kurze Antwort: Der Geschwisterbonus erhöht dein Elterngeld um 10 Prozent, mindestens jedoch um 75 Euro monatlich beim Basiselterngeld (37,50 Euro beim ElterngeldPlus). Du bekommst ihn, wenn mindestens ein weiteres Kind unter 3 Jahren, mindestens zwei weitere Kinder unter 6 Jahren oder ein Kind mit Behinderung unter 14 Jahren in deinem Haushalt lebt. Geregelt ist das in § 2a BEEG.
Wer ein zweites oder drittes Kind bekommt, rechnet meist zuerst mit weniger Geld — neue Windeln, neuer Kinderwagen, zwei statt ein Kind in Betreuung. Der Geschwisterbonus dreht das ein Stück weit um: Er ist eine der wenigen Familienleistungen, die mit jedem weiteren Kind automatisch mehr wird, ohne dass du dafür extra etwas tun musst. In diesem Artikel zeige ich dir die genauen Beträge für 2026, wie lange du den Bonus bekommst und wie du ihn an einem konkreten Beispiel selbst nachrechnen kannst.
Was ist der Geschwisterbonus beim Elterngeld?
Der Geschwisterbonus ist ein gesetzlicher Aufschlag von 10 Prozent auf das Elterngeld, mindestens jedoch 75 Euro monatlich beim Basiselterngeld. Geregelt ist er in § 2a Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG). Er soll Familien finanziell entlasten, die kurz hintereinander mehrere kleine Kinder zu betreuen haben — also genau die Phase, in der Betreuungsaufwand und Haushaltskosten am höchsten sind.
Wichtig: Der Geschwisterbonus ist keine eigene Leistung, die du separat beziehst. Er wird automatisch auf dein Basiselterngeld oder ElterngeldPlus aufgeschlagen, solange die Voraussetzungen vorliegen. Ohne Anspruch auf Elterngeld gibt es auch keinen Geschwisterbonus.
Begriffe in diesem Artikel:
- Basiselterngeld — die Standardvariante, 65–67 % des Nettoeinkommens, max. 14 Monate.
- ElterngeldPlus — halbe Monatsbeträge, dafür doppelte Bezugsdauer (bis zu 28 bzw. 32 Monate).
- Geschwisterkind im Sinne des BEEG — eigene oder adoptierte Kinder im selben Haushalt; Kinder des Partners zählen nur unter engen Voraussetzungen.
Welche Voraussetzungen gelten für den Geschwisterbonus?
Du bekommst den Geschwisterbonus, wenn eine dieser drei Bedingungen erfüllt ist und die Geschwisterkinder mit dir im selben Haushalt leben:
- Mindestens ein weiteres Kind unter 3 Jahren lebt in deinem Haushalt.
- Mindestens zwei weitere Kinder unter 6 Jahren leben in deinem Haushalt.
- Mindestens ein weiteres Kind mit Behinderung unter 14 Jahren lebt in deinem Haushalt — Voraussetzung ist ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 20.
Berücksichtigt werden nur Kinder, für die du selbst die Grundvoraussetzungen des Elterngelds erfüllst — eigene und adoptierte Kinder also, nicht automatisch die Kinder deines Partners oder deiner Partnerin. Praxistipp: Wenn du mit dem Kind deines Lebensgefährten zusammenlebst, dieses aber nicht adoptiert hast, zählt es in der Regel nicht für den Geschwisterbonus. Das wird in der Beratung erfahrungsgemäß oft übersehen.
Wie hoch ist der Geschwisterbonus 2026?
Der Geschwisterbonus beträgt 10 Prozent deines errechneten Elterngelds, mindestens jedoch 75 Euro beim Basiselterngeld und 37,50 Euro beim ElterngeldPlus. Da das Basiselterngeld zwischen 300 und 1.800 Euro liegt, bewegt sich der Bonus selbst zwischen 75 und 180 Euro monatlich.
| Basiselterngeld | ElterngeldPlus | |
|---|---|---|
| Mindestbonus | 75 € | 37,50 € |
| Höchstbonus | 180 € | 90 € |
| Gesamtbetrag mit Bonus (Spanne) | 375–1.980 € | 187,50–990 € |
Quelle: Familienportal des Bundes (BMFSFJ), § 2a BEEG, Stand 2026.
Klartext: Verdienst du vor der Geburt eher wenig, greift fast immer der Mindestbetrag von 75 Euro — selbst 10 Prozent von einem kleinen Basiselterngeld bleiben oft unter dieser Schwelle. Erst ab einem Basiselterngeld von 750 Euro aufwärts liegt die 10-Prozent-Regel über dem Mindestbetrag.
Geschwisterbonus berechnen — Beispielrechnung
Szenario: Familie Hoffmann aus Stuttgart bekommt ihr zweites Kind. Das erste Kind ist zu diesem Zeitpunkt 2 Jahre und 4 Monate alt — und damit jünger als 3 Jahre, die Bedingung für den Geschwisterbonus ist erfüllt. Die Mutter hatte vor der Geburt ein Elterngeldnetto von 2.200 Euro, ihre Ersatzrate liegt bei 65 Prozent.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Elterngeldnetto vor der Geburt | 2.200,00 € |
| Basiselterngeld (65 %) | 1.430,00 € |
| Geschwisterbonus (10 %, über Mindestbetrag) | + 143,00 € |
| Basiselterngeld mit Geschwisterbonus | 1.573,00 € |
So rechnest du in 3 Schritten
- Basiselterngeld ermitteln — 65 bis 67 Prozent deines durchschnittlichen Nettoeinkommens der zwölf Monate vor der Geburt, mindestens 300, höchstens 1.800 Euro.
- 10 Prozent davon berechnen — und mit dem Mindestbetrag (75 Euro Basis bzw. 37,50 Euro Plus) vergleichen. Der höhere der beiden Werte gilt.
- Bonus addieren — der Aufschlag wird automatisch zusammen mit dem Elterngeld ausgezahlt, keine separate Überweisung.
In diesem Beispiel fällt der Geschwisterbonus weg, sobald das ältere Kind seinen dritten Geburtstag erreicht — bei 2 Jahren und 4 Monaten zum Zeitpunkt der Geburt also nach rund 8 Bezugsmonaten des zweiten Kindes. Familie Hoffmann erhält in dieser Zeit insgesamt etwa 1.144 Euro mehr, als sie ohne Geschwisterbonus bekommen hätte.
Mit unserem Elterngeld-Rechner kannst du deinen eigenen Fall in wenigen Sekunden durchrechnen, inklusive Geschwisterbonus und Mehrlingszuschlag.
Wie lange wird der Geschwisterbonus gezahlt?
Du bekommst den Geschwisterbonus bis zum Ende des Lebensmonats, in dem eine der Voraussetzungen wegfällt — meist also, wenn das ältere Geschwisterkind die jeweilige Altersgrenze erreicht. Danach läuft dein reguläres Elterngeld ohne Bonus bis zum Ende deines Bezugszeitraums weiter, es entfällt nicht der gesamte Anspruch.
Bei zwei Kindern endet der Bonus mit dem dritten Geburtstag des älteren Kindes. Bei drei oder mehr Kindern endet er, sobald das drittjüngste Kind sein sechstes Lebensjahr vollendet. Die Elterngeldstelle prüft das automatisch in jedem einzelnen Bezugsmonat neu — du musst dafür nichts extra einreichen.
Geschwisterbonus beantragen — diese Nachweise willst du parat haben
Einen separaten Antrag gibt es nicht: Das reguläre Elterngeld-Antragsformular enthält einen Abschnitt für weitere Kinder im Haushalt. Damit die Elterngeldstelle den Bonus zügig anerkennt, lohnt es sich, gleich die passenden Belege beizulegen:
- Kopie des aktuellen Kontoauszugs mit dem letzten Kindergeldeingang für das ältere Geschwisterkind
- alternativ der jüngste Kindergeldbescheid
- bei einem Kind mit Behinderung: Nachweis über den Grad der Behinderung (GdB), zum Beispiel der Schwerbehindertenausweis
- bei Adoption: Unterlagen zum Aufnahmedatum in den Haushalt, da bei Adoptivkindern dieses Datum statt des Geburtsdatums zählt
Achtung: Rückwirkend zahlt die Elterngeldstelle Elterngeld — und damit auch den Bonus — grundsätzlich nur für die letzten drei Monate vor Antragseingang. Wer zu spät beantragt, verliert für die früheren Monate sowohl Elterngeld als auch Geschwisterbonus unwiderruflich.
Sonderfälle: Adoption, Mehrlinge und die Einkommensgrenze 2026
Adoptivkinder: Bei adoptierten Geschwisterkindern zählt nicht das Geburtsdatum, sondern der Tag, an dem das Kind in den Haushalt aufgenommen wurde — auch während eines laufenden Adoptionsverfahrens. Ab dem 14. Geburtstag des Adoptivkindes entfällt der Anspruch auf den Geschwisterbonus über diese Sonderregel endgültig.
Mehrlinge: Geschwisterbonus und Mehrlingszuschlag schließen sich nicht aus. Bei Zwillingen, Drillingen oder weiteren Mehrlingen kommen zum Geschwisterbonus zusätzlich 300 Euro monatlich beim Basiselterngeld für jedes weitere Mehrlingskind hinzu (150 Euro beim ElterngeldPlus) — beide Leistungen werden parallel gezahlt, wenn die jeweiligen Voraussetzungen vorliegen.
Einkommensgrenze 2026: Seit 1. April 2025 liegt die Einkommensgrenze für den Elterngeldanspruch einheitlich bei 175.000 Euro zu versteuerndem Einkommen (zvE) — diese Grenze gilt 2026 unverändert weiter, sowohl für Paare als auch für Alleinerziehende. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen im Kalenderjahr vor der Geburt, nicht das Brutto- oder Nettogehalt. Liegt dein Haushalt über dieser Grenze, entfällt der gesamte Elterngeldanspruch — und mit ihm automatisch auch der Geschwisterbonus, da er rechnerisch von einem bestehenden Elterngeldanspruch abhängt.
Was Elterngeldberater:innen in der Praxis raten
In der Fachberatung zum Geschwisterbonus kommt es nach Einschätzung von Elterngeldberater und Fachautor Michael Tell selten allein auf das Geburtsdatum des neuen Kindes an. Entscheidend sei vielmehr, wie alt die älteren Geschwister in jedem einzelnen Bezugsmonat tatsächlich sind — wer hier nur grob plant, verschenkt häufig einzelne Bonusmonate, weil ein Geburtstag mitten in den Bezugszeitraum fällt.
Aktuell relevant: Das Sozialgericht Duisburg hat im Oktober 2025 in einem Einzelfall (Urteil v. 16.10.2025, S 18 EG 23/23) zugunsten eines zusätzlichen Bezugsmonats mit Geschwisterbonus entschieden. Wird ein vergleichbarer Monat von der eigenen Elterngeldstelle nicht anerkannt, kann ein Widerspruch unter Verweis auf dieses Urteil sinnvoll sein — die genaue Übertragbarkeit hängt aber vom Einzelfall ab, eine pauschale Anwendung ist nicht garantiert.
FAQ
Muss ich den Geschwisterbonus separat beantragen?
Nein. Der Geschwisterbonus wird automatisch geprüft, sobald du im Elterngeld-Antrag Angaben zu weiteren Kindern im Haushalt machst. Eine separate Antragstellung oder gesonderte Auszahlung gibt es nicht — der Bonus erscheint direkt im Elterngeldbescheid als Teil des Gesamtbetrags.
Gibt es den Geschwisterbonus auch beim ElterngeldPlus?
Ja. Beim ElterngeldPlus beträgt der Geschwisterbonus ebenfalls 10 Prozent, allerdings vom halbierten ElterngeldPlus-Betrag. Der Mindestbonus liegt dadurch bei 37,50 Euro statt 75 Euro, der Höchstbonus bei 90 statt 180 Euro. Die Voraussetzungen sind identisch mit denen beim Basiselterngeld.
Bekomme ich den Geschwisterbonus bei Zwillingen oder Drillingen?
Ja, sofern zusätzlich zu den Mehrlingen weitere Kinder im Haushalt leben, die die Altersgrenzen erfüllen. Für die Mehrlinge selbst gibt es stattdessen den separaten Mehrlingszuschlag von 300 Euro pro weiterem Mehrlingskind — beide Leistungen lassen sich kombinieren, wenn die jeweiligen Voraussetzungen vorliegen.
Was passiert mit dem Geschwisterbonus bei Adoptivkindern?
Bei Adoptivkindern zählt nicht das Geburtsdatum, sondern das Datum der Aufnahme in den Haushalt — auch bei laufendem Adoptionsverfahren. Die Altersgrenzen (3, 6 oder 14 Jahre) werden ab diesem Aufnahmedatum gerechnet, nicht ab der Geburt des Kindes.
Verliere ich den Geschwisterbonus, wenn mein Einkommen zu hoch ist?
Indirekt ja. Liegt das zu versteuernde Haushaltseinkommen über der seit April 2025 geltenden Grenze von 175.000 Euro, entfällt der gesamte Elterngeldanspruch — und damit automatisch auch der Geschwisterbonus, da dieser nur als Aufschlag auf ein bestehendes Elterngeld gezahlt wird.
Wie hoch ist der Geschwisterbonus maximal?
Beim Basiselterngeld maximal 180 Euro monatlich, beim ElterngeldPlus maximal 90 Euro. Diese Obergrenze ergibt sich aus 10 Prozent des jeweiligen Höchstbetrags (1.800 Euro Basis bzw. 900 Euro Plus) und wird nur bei entsprechend hohem vorherigen Einkommen erreicht.
Was passiert, wenn das ältere Geschwisterkind während des Bezugs die Altersgrenze überschreitet?
Der Bonus entfällt mit Ablauf des Lebensmonats, in dem die Altersgrenze erreicht wird — also zum Beispiel mit dem dritten Geburtstag des älteren Kindes. Dein reguläres Elterngeld läuft danach ohne Bonus bis zum Ende deines Bezugszeitraums normal weiter.
Brauche ich für den Geschwisterbonus einen Nachweis?
In den meisten Fällen ja. Die Elterngeldstelle verlangt üblicherweise einen Nachweis über den laufenden Kindergeldbezug für das ältere Geschwisterkind, etwa einen Kontoauszug mit dem letzten Kindergeldeingang oder den aktuellen Kindergeldbescheid. Bei einem Kind mit Behinderung kommt der Nachweis über den Grad der Behinderung hinzu.
Fazit
Der Geschwisterbonus ist eine der wenigen Elterngeld-Komponenten, die du nicht extra beantragen musst und die sich fast immer lohnt: 75 bis 180 Euro im Monat, automatisch geprüft, solange ein älteres Geschwisterkind die Altersgrenze nicht überschritten hat. Wer plant, wie lange der Bonus in der eigenen Familie tatsächlich läuft, sollte nicht nur den Geburtstermin des neuen Kindes im Blick haben, sondern den Geburtstag des älteren Kindes direkt danebenlegen.
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