
Wenn Ihre Heizkörper gluckern, oben kalt bleiben oder mehr Heizöl bzw. Gas verbraucht wird als üblich, steckt in der Anlage Luft — und die kostet Sie Geld. Eine Heizung entlüften dauert pro Heizkörper nur 5–10 Minuten, ist kostenlos mit einem 2-€-Entlüftungsschlüssel machbar und spart laut Energieexperten bis zu 15 % Heizkosten pro Jahr. Diese Anleitung zeigt Ihnen genau, wann, wie und in welcher Reihenfolge Sie vorgehen.
Wann sollte man die Heizung entlüften?

Die Heizung sollte mindestens einmal jährlich entlüftet werden — idealerweise vor Beginn der Heizsaison im September oder Oktober, bevor die Temperaturen fallen. Zusätzlich sofort entlüften, wenn folgende Anzeichen auftreten:
- Gluckernde oder blubbernde Geräusche aus den Heizkörpern
- Heizkörper wird oben kalt, unten aber warm (Luftblase im oberen Bereich)
- Ungleichmäßige Wärmeverteilung trotz voll aufgedrehtem Thermostat
- Heizungsanlage springt häufig ab oder läuft unruhig
- Spürbar gestiegener Heizenergieverbrauch ohne erklärbaren Grund
- Nach Befüllung oder Reparatur der Heizungsanlage
Warum sammelt sich Luft in der Heizung?
Luft gelangt auf verschiedenen Wegen ins System: durch kleinen Sauerstoffeintrag über Kunststoffleitungen, beim Nachfüllen von Heizungswasser, durch undichte Verbindungen oder nach Reparaturarbeiten. Selbst neue Heizungsanlagen enthalten nach dem ersten Befüllen gelöste Luft, die sich beim Aufheizen als Blasen absetzt.
Heizung entlüften: Was Sie brauchen
Für die meisten Heizkörper reicht minimales Werkzeug:
- Entlüftungsschlüssel (Vierkant-Schlüssel, passend zu Ihrem Entlüftungsventil): 2–5 € im Baumarkt oder online
- Kleines Gefäß oder Lappen zum Auffangen des austretenden Wassers
- Handtuch zum Unterlegen
- Optional: Schraubenzieher (bei einigen älteren Ventiltypen)
Achten Sie vor dem Start darauf, dass der Systemdruck der Heizungsanlage im normalen Bereich liegt (meist 1,5–2,0 bar, prüfbar am Manometer am Heizkessel). Sinkt der Druck beim Entlüften unter 1,0 bar, müssen Sie anschließend Wasser nachfüllen.
Heizung entlüften: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Heizung aufdrehen und aufheizen lassen
Drehen Sie alle Heizkörperthermostate auf die höchste Stufe (Stufe 5) und lassen Sie die Anlage 30–60 Minuten laufen, bis das System vollständig aufgeheizt ist. Warmes Wasser steigt, kalte Luft sammelt sich oben — so ist das Entlüften am effektivsten.
Schritt 2: Pumpe ausschalten
Schalten Sie die Umwälzpumpe der Heizung aus (meist am Heizgerät oder über einen separaten Schalter). Lassen Sie das Wasser 5–10 Minuten zur Ruhe kommen. Bei laufender Pumpe wird die Luft durch das System gedrückt, was das Entlüften erschwert.
Schritt 3: Richtige Reihenfolge einhalten
Entlüften Sie von unten nach oben und pro Stockwerk vom Heizgerät weg:
- Erdgeschoss: Heizkörper am weitesten vom Heizkessel entfernt → dann Richtung Kessel
- Obergeschoss: wieder vom entferntesten Heizkörper beginnen
- Dachgeschoss / oberstes Stockwerk zuletzt
Diese Reihenfolge verhindert, dass Sie Luft, die Sie bereits ausgetrieben haben, wieder ins System drücken.
Schritt 4: Entlüftungsventil öffnen
Das Entlüftungsventil sitzt oben an einer der Seiten des Heizkörpers — ein kleines Messing-Vierkantstück. Halten Sie das Gefäß darunter und drehen Sie den Entlüftungsschlüssel langsam gegen den Uhrzeigersinn (ca. eine halbe bis eine Umdrehung).
- Zuerst hören Sie ein Zischen — das ist die entweichende Luft. Gut.
- Wenn Wasser austritt (erst sprudelnd, dann stetig), schließen Sie das Ventil sofort wieder durch Drehen im Uhrzeigersinn. Nicht zu fest anziehen — das Gewinde ist fein.
Schritt 5: Alle Heizkörper in der richtigen Reihenfolge entlüften
Wiederholen Sie Schritt 4 für jeden Heizkörper im Haus, immer in der Reihenfolge von unten nach oben, vom Entferntesten zum Nächsten.
Schritt 6: Systemdruck prüfen und ggf. Wasser nachfüllen
Nach dem Entlüften zeigt das Manometer am Heizkessel möglicherweise einen niedrigeren Druck als vorher. Der Solldruck liegt typischerweise bei 1,5–2,0 bar (im Betrieb). Liegt der Druck darunter, füllen Sie über das Nachspeiseventil (meist ein roter oder blauer Hebel am Heizgerät) langsam Wasser nach, bis der Druck wieder stimmt.
Schritt 7: Pumpe wieder einschalten und Ergebnis prüfen
Schalten Sie die Umwälzpumpe wieder ein und lassen Sie die Anlage 15–20 Minuten laufen. Prüfen Sie, ob alle Heizkörper gleichmäßig warm werden und ob die Geräusche verschwunden sind. Falls einzelne Heizkörper noch immer oben kalt bleiben, wiederholen Sie den Vorgang für diese Heizkörper.
Was kostet es, die Heizung entlüften zu lassen?
Selbst machen: praktisch kostenlos
Einmaliger Kauf eines Entlüftungsschlüssels: 2–5 €. Zeitaufwand für ein Einfamilienhaus mit 8–10 Heizkörpern: ca. 45–60 Minuten.
Fachmann beauftragen
Wenn Sie die Aufgabe lieber einem Heizungsbauer überlassen oder das Entlüften Teil einer jährlichen Wartung ist:
| Leistung | Kosten |
|---|---|
| Entlüften aller Heizkörper (ohne Wartung) | 50–80 € |
| Entlüften + Systemcheck + Druckauffüllung | 80–120 € |
| Jährliche Heizungswartung inkl. Entlüften | 150–300 € |
| Systemspülung (bei stark verschmutztem Wasser) | 300–800 € |
Vergleichen Sie hier die vollständigen Heizungskosten und Wartungspreise auf profirechner.de.
Wie viel spart regelmäßiges Entlüften?
Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kann Luft in der Heizungsanlage den Energieverbrauch um 10–15 % erhöhen. Bei jährlichen Heizkosten von 1.800 € ergibt das eine mögliche Ersparnis von 180–270 € pro Jahr — allein durch regelmäßiges Entlüften.
Automatische Entlüfter: Sinnvoll?
Moderne Heizungsanlagen werden häufig mit automatischen Entlüftern (auch: Schnellentlüfter) ausgestattet. Diese kleinen Ventile, oft an den höchsten Punkten der Anlage montiert, lassen Luft selbstständig entweichen.
Vorteile: Kein manuelles Eingreifen nötig, kontinuierliche Entlüftung. Nachteile: Können undicht werden und tropfen; funktionieren nur an den montierten Punkten, nicht an jedem Heizkörper.
Automatische Entlüfter ersetzen das manuelle Entlüften der Heizkörper nicht vollständig — sie ergänzen es.
Häufige Fehler beim Heizung entlüften
- Ventil zu weit aufdrehen: Mehr als eine Umdrehung ist nie nötig. Bei zu weit geöffnetem Ventil spritzt Wasser unkontrolliert.
- Falsche Reihenfolge: Von oben nach unten entlüften treibt Luft weiter ins System.
- Pumpe läuft: Bei laufender Pumpe verteilt sich die Luft schneller als sie entweicht.
- Druck nicht kontrollieren: Nach dem Entlüften ohne Druckprüfung kann die Anlage bei zu niedrigem Druck Schäden nehmen.
- Zu früh schließen: Das Ventil schließen, bevor das Wasser stetig fließt — dann ist noch Luft im Heizkörper.
Häufige Fragen zum Heizung entlüften
Wie oft sollte man die Heizung entlüften? Mindestens einmal jährlich vor Heizsaisonbeginn (September/Oktober). Bei älteren Anlagen, Kunststoffleitungen oder nach Reparaturen empfiehlt sich eine häufigere Kontrolle.
Kann ich die Heizung selbst entlüften? Ja, das Entlüften der Heizkörper ist ein einfacher Heimwerker-Job, der keine Fachkenntnisse erfordert. Sie brauchen nur einen Entlüftungsschlüssel (2–5 €) und ein kleines Gefäß. Die gesamte Anleitung dauert für ein Einfamilienhaus unter einer Stunde.
Was passiert, wenn ich die Heizung nicht entlüfte? Luft in der Heizungsanlage erhöht den Energieverbrauch um 10–15 %, verursacht Geräusche und kann langfristig zu Korrosion an Heizkörpern und Leitungen führen. Im schlimmsten Fall springt die Heizung ab und heizt gar nicht mehr.
Welcher Druck ist normal nach dem Entlüften? Nach dem Entlüften sollte der Betriebsdruck zwischen 1,5 und 2,0 bar liegen. Liegt er darunter, muss Wasser über das Nachspeiseventil am Heizkessel nachgefüllt werden.
Wie erkenne ich, dass ein Heizkörper vollständig entlüftet ist? Der Heizkörper ist entlüftet, wenn beim Öffnen des Entlüftungsventils kein Zischen mehr zu hören ist und sofort klares Wasser (ohne Luftblasen) austritt. Schließen Sie das Ventil dann sofort.
Was tun, wenn nach dem Entlüften immer noch Geräusche auftreten? Wenn nach dem korrekten Entlüften aller Heizkörper weiterhin Geräusche auftreten, liegt möglicherweise ein Druckproblem, eine defekte Pumpe oder Ablagerungen im System vor. In diesem Fall sollte ein Heizungsbauer die Anlage prüfen.
Fazit: Heizung entlüften lohnt sich immer
Regelmäßiges Entlüften der Heizkörper ist die einfachste und günstigste Maßnahme, um Heizkosten zu senken und die Lebensdauer der Anlage zu verlängern. Mit einem Entlüftungsschlüssel für 2 € und einer Stunde Zeit sparen Sie jährlich bis zu 270 € an Heizkosten. Die Reihenfolge — unten nach oben, vom Heizgerät weg — ist dabei entscheidend.
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